Störfall im Klinikum wirft weitere Fragen auf
Solingen/ Der Störfall im Solinger Klinikum, bei dem am 24. November 2011, 20 Narkosegeräte zum Teil zerstört wurden, wirft weitere Fragen auf. Nur einem glücklichen Umstand war es zu verdanken das keine Menschen zu Schaden gekommen sind.
In vielen Deutschen Krankenhäusern wird, nach Meinung von Andreas Teichmann, derzeit gegen das geltende EU-Recht verstoßen. Druckluft ist ein Arzneimittel, welches grundsätzlich den Qualitätsansprüchen des Europäischen Arzneimittelbuches für medizinische Druckluft entsprechen muss.
Diese Qualitätsstandards sieht der Geschäftsführer eines Unternemens, welches Geräte zur Überwachung dieser Standards herstellt, gefährdet, nicht nur in Solingen.
Wie das Klinikum mittlerweile auf Nachfrage mitteilte, sei ungefähr 1 Liter Feuchtigkeit pro Gerät festgestellt worden. Die genaue Menge lasse sich jedoch nicht feststellen. „Eine Rückrechnung auf die ins Druckluftnetz verschleppte Wassermenge ist aus Gründen der unterschiedlichen Luftabnahmemengen, der Topologie des Leitungsnetzes und den damit verbundenen Strömungsverhältnissen innerhalb des Druckluftnetzes nicht verlässlich durchführbar“, hieß es aus dem Klinikum. Klartext: Keiner weiß, wie viel Flüssigkeit tatsächlich in das Rohrleitungssystem gelangt ist.
Hat das Klinikum ein Hygieneproblem?
Eine Tatsache, die grundsätzlich alle Alarmglocken schrillen lässt. Jeder der einmal versucht hat einen Wasserschlauch aufzuwickeln weiß, dass es immer eine gewisse Menge an Restfeuchtigkeit gibt, die einfach nicht aus dem Schlauch zu entfernen ist. Ähnlich verhalte es sich auch mit dem verwinkelten Rohrleitungssystem der Druckluft im Klinikum, hieß es von versierter Stelle.
Das Klinikum beteuert alle Maßnahmen ergriffen zu haben, um die Feuchtigkeit zu entfernen.
Als Intialmaßnahme sei ein zusätzliches Drucklufttrocknungsverfahren integriert worden. Anschließend habe man das Rohrleitungsnetz durch großvolumige Druckluftentnahme an den Anschlussstellen mit trockener Luft durchgespült um die gesamte Restfeuchte zu entfernen, hieß es. Dies sei mehrmals von unabhängiger Stelle überprüftworden. Erst nach dem Erreichen von zulässigen Feuchtigkeitswerten habe man das Netz wieder freigegeben.
Das Problem sei jedoch, so Teichmann, dass es Ecken geben könnte an denen die Feuchtigkeit mit organischen, eingespülten, Substanzen unter Umständen reagiert, welches eine weitere Kontamination der Druckluft zur Folge haben könnte.
Standards nicht eingehalten?
Bereits seit 1998 gebe es die Bestrebung für die Reinhaltung medizinischer Gase zu sorgen, erläutert Teichmann, der auch in der entsprechenden Normenkommission sitzt. In einem Nachtrag zum Europäischen Arzneimittelbuch (Pharmacopeia Europaea) der Druckluft als “Luft für medizinische Anwendungen” und somit als Arzneimittel beschreibt, sei dies damals geregelt worden.
Arzneimittel sind gekennzeichnet durch ihre Zweckbestimmung: “durch Anwendung am oder im menschlichen Körper Krankheiten, Leiden, Körperschäden oder krankhafte Beschwerden zu heilen, zu lindern, zu erkennen oder zu verhüten”.
Da das Klinikum das Arzneimittel Druckluft selber herstellt, sei es auch für deren Überwachung und lückenlosen Dokumentation als Inverkehrbringer verantwortlich, weiß Teichmann. Die geforderten Normen, die bereits seit 2001 gültig wären, in denen unter anderem auch die Überwachung der Inhaltsstoffe geregelt werden, werde in Solingen nur ungenügend eingehalten. „Dann wäre das so nicht passiert“, erklärt der Fachmann.
Als Beispiel für einen weiteren, möglichen, Zwischenfall nennt Teichmannn den Brand im Kompressorraum. Käme es hier zu einem Brand, würde das entstehende Kohlenmonoxid angesaugt und durch das Rohrleitungssystem weiterverteilt. Nur eine entsprechende Überwachung könne dies verhindern und auf ein eventuell vorhandenes Reservesystem umschalten.
Das Klinikum, welches nach Medienangaben bereits seit mehreren Jahren über die Anschaffung eines solchen Überwachungssystems nachdenkt, scheint diesen Plan jedoch wieder verworfen zu haben. Auf die Frage wie man denn zukünftig ein solches Horrorszenario verhindern will hieß es lediglich: „Die Betreuung und Überwachung von Fremdfirmen die an für das Krankenhaus extrem wichtigen Anlagen arbeiten wird zukünftig enger und intensiver durchgeführt. Durch die engmaschigere Überwachung kann man eine Wiederholung dieser Betriebsstörung ausschließen“. Dies könnte im Umkehrschluss heißen, man überwacht die Techniker und nicht die Druckluft.
Eine Wiederholung des Zwischenfalls scheint damit jedenfalls nicht ausgeschlossen. Die Bezirksregierung untersucht derzeit den Vorfall.
Gerüchte, nach denen die zuständige Apothekerin des Klinikums, Dorothea Graetz-Patzer, jede Verantwortung für die Druckluft ablehne, wurden dementiert.Dorothea Graetz-Patzer: „Ich bin nie auf die Idee gekommen!“














Sehr geehrter Herr Stoffel,
die von Herrn Teichmann getätigten Äusserungen haben nichts mit dem Vorfall zu tuen. Die enorme Feuchtigkeitsmengen hätte auch bei einer “Altanlage” nicht in das Druckluftsystem eindringen dürfen.
Auch die Globalverurteilung der Krankenhäuser steht Herrn Teichmann nicht zu. Er scheint nach Ihren Angaben ein Interessenvertreter der Gerätehersteller zu sein.
In Ihrem Beitrag werden einige wenig reflektierte Äusserungen zum Fremdfirmeneinsatz und zur Verantwortung der Apothekerin gemacht.
Auch hierzu meine Meinung :
Falls Fremdfirmen ohne strukturierte Koordination im Unternehmen Krankenhaus arbeiten, geht natürlich eine Gefahr von diesen Menschen aus. Das Handeln muß immer in Abstimmung mit der Gefährung die die Firmen ausüben, abgestimmt werden.
Wie schon der Begriff medizinische Druckluft klarmacht, und die Zuständigkeit des Arzneimittelrechtes verdeutlicht, liegt die Aufsichtspflicht beim Apotheker.
Sie sollten in Ihrer Recherchen nicht erst mit dem Begriff “Gerücht” die Leser verunsichern und anschliessend im gleichen Satz dieses Gerücht dementieren. Besonders dann, wenn Sie Namen nennen. Das verunglimpft nur die Person.