Rollenspiele für die Herausforderungen der Zukunft
Solingen/ Mit einem außergewöhnlichen Experiment stellt sich das Klinikum Solingen auf den demographischen Wandel ein.
Das Stichwort „Demographischer Wandel“ geistert bereits einige Zeit in den Medien und dem gesellschafts-politischen Diskurs umher. Jüngst wird mit Unterstützung der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen, die zuständiger gesetzlicher Unfallversicherungsträger für das Klinikum Solingen ist, dieses Thema präventiv bearbeitet. Um herauszufinden, wie sich die vielfach prognostizierten Folgen der demografischen Entwicklung auf das Unternehmen auswirken, wurde kürzlich eine Untersuchung mit einem „Altersanzug“ durchgeführt.
Sehschwäche, eingeschränkte Bewegungsfreiheit – die typischen Altersgebrechen treten in unterschiedlicher Ausprägung früher oder später bei jedem Menschen auf. Wie lassen sich damit die Aufgaben einer Pflegefachkraft bewältigen? Und worauf muss sich ein Krankenhaus einstellen, in dem immer ältere Patientinnen und Patienten versorgt werden.
Mit einer aus verschiedenen Berufen besetzten Projektgruppe „Demografischer Wandel“ beschreitet das Klinikum in der Vorbereitung auf die Zukunft teilweise ungewöhnliche Wege.
Der Altersanzug der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen besteht aus unterschiedlichen Gewichten, die an Schultern und Gelenken von Testpersonen angebracht werden. Zudem werden Handgelenke, Hals und Kniegelenke durch Bandagen künstlich versteift. Damit lässt sich das Alter um Jahre im Voraus simulieren. Das Sehvermögen wird mit einer speziellen Brille getrübt.
In die futuristisch anmutende Montur gesteckt, schlüpften zwei Mitarbeiterinnen des Pflegedienstes und Auszubildende des Klinikums in die Rollen von hoch betagten Patienten und älteren Pflegekräften.Ihre Aufgabe bestand darin, die typischen Arbeitsabläufe und Patientenwege unter den erschwerten, altersbegründeten Bedingungen zu erfassen. In Begleitung von unbeteiligten Beobachtern, die mit fachlich geschultem Auge die Eindrücke vom Einsatz der Tester fixierten, ließen sich zwei Sichtweisen ermitteln: Die subjektive Wahrnehmung der Betroffenen und der Blick von Außen, der unmittelbar zu Verbesserungsmaßnahmen verhilft. Verlangsamte Bewegungen, gestörte Motorik und Schwierigkeiten beim Ablesen vom Werten auf verschiedenen Messgeräten – es kam einiges zusammen, was Handlungsbedarf erfordert.
Experten verschiedener Disziplinen beschäftigen sich seit Jahren mit dem Älterwerden der Bevölkerung. Umfangreiches Zahlenmaterial liegt in Studien und Prognosen vor. Aber qualitative Aussagen mit dem konkreten Bezug zu einem Unternehmen fehlen. Gabriella Da Boit, Bereichsleiterin Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit und Gerhard Raßmann, Referent für Personalentwicklung vom Klinikum Solingen initiierten die Untersuchung. Ihr Resümee: „Wir haben Erkenntnisse gewonnen, die uns in den unterschiedlichsten Aufgabenbereichen nach vorne bringen – von den Fragen der Beschaffung, über Technik und Infrastruktur bis hin zur Neugestaltung von altersgerechten Arbeitsplätzen, an denen das knapp werdende Fachpersonal weiterhin qualitativ sichere Patientenbetreuung leisten kann. Außerdem haben wir eine ganze Reihe von Anregungen erhalten, wie wir schon jetzt – teilweise mit geringem Aufwand – die Wege und das Umfeld für unsere älteren und gebrechlichen Patientinnen und Patienten verbessern können.“











